Autor: mdg

Blaudruck Wagner in Korea

Kulturaustausch zwischen Korea und Österreich

Im Rahmen eines besonderen Kulturaustausches durften wir als Vertreter des österreichischen Blaudrucks nach Korea reisen und Teil der Ausstellung „Story of JJOKBIT – Indigo of Korea and Austria“ werden. Als UNESCO-anerkanntes Handwerk ist es uns ein großes Anliegen, traditionelle Färbetechniken nicht nur zu bewahren, sondern auch im internationalen Dialog weiterzugeben.

Unsere koreanischen Gastgeber hießen uns sehr offen willkommen und ermöglichten uns tiefe Einblicke in die vielfältige Kultur und Geschichte des Landes. Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch eines renommierten Färbemeisters in Naju. Diese Region gilt historisch als Zentrum der koreanischen Naturfärbung: Der Yeongsan-Fluss und die idealen klimatischen Bedingungen bieten seit Jahrhunderten beste Voraussetzungen für den Anbau der Indigo-Pflanze Jjok. Der Meister zeigte uns sein traditionelles Handwerk mit großer Hingabe – ein Austausch, der uns nachhaltig beeindruckt hat.

Der Anlass unserer Reise war die Ausstellungseröffnung im National Intangible Heritage Center in Jeonju, wo vom 16. Dezember 2025 bis zum 22. März 2026 die Ausstellung „Story of JJOKBIT – Indigo of Korea and Austria“ zu sehen ist. Präsentiert werden darin traditionelle koreanische Indigo-Färbetechniken sowie der österreichische Blaudruck.
Die koreanische Indigo-Färbekunst wurde bereits 2001 als nationales immaterielles Kulturerbe anerkannt. Der Blaudruck wurde 2018 gemeinsam von Österreich, Tschechien, Deutschland, Ungarn und der Slowakei in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Seoul traten wir wieder die Heimreise an. Es war ein ereignisreicher und inspirierender Austausch, für den wir sehr dankbar sind. Teil dieser Ausstellung zu sein bedeutet für uns mehr als eine Präsentation von Handwerk – es ist ein Beitrag zur Vermittlung, zum Erhalt und zur Verbindung von Kulturen über Kontinente hinweg.

„Aus Leinen wird Dirndl“ – Blaudruckerei Wagner im Rampenlicht

Die traditionsreiche Blaudruckerei Wagner in Bad Leonfelden hat es ins Fernsehen geschafft – und das mit einem ganz besonderen Beitrag. Der oberösterreichische Privatsender LT1 widmete dem Handwerksbetrieb eine liebevoll gestaltete Reportage mit dem Titel „Aus Leinen wird Dirndl“. Der Beitrag zeigt eindrucksvoll, wie aus einem einfachen Stück Leinen ein kunstvolles Dirndl entsteht – und wie viel Herzblut, Handarbeit und Geschichte in jedem einzelnen Stoff steckt.

Blaudruck: Ein blaues Wunder aus dem Mühlviertel

„Wir erleben ein blaues Wunder“, heißt es im Beitrag – und das ist keineswegs übertrieben. Die Blaudruckerei Wagner gehört zu den letzten Betrieben in Österreich, die die jahrhundertealte Technik des Handblaudrucks noch aktiv ausüben. Mit bis zu 250 Jahre alten Holzmodeln werden Stoffe bedruckt, die anschließend in Indigo gefärbt werden. Das Ergebnis: tiefblaue Muster mit weißem Kontrast, die nicht nur schön aussehen, sondern auch eine Geschichte erzählen.

Vom Stoff zur Tracht: Handwerk mit Seele

Der LT1-Beitrag begleitet die Entstehung eines Dirndls von Anfang bis Ende. Vom weißen Leinen über den Druckprozess bis zur Schneiderei – alles passiert in der Blaudruckerei Wagner. Besonders beeindruckend ist die Liebe zum Detail: Jedes Dirndl ist ein Unikat, gefertigt mit traditionellen Techniken und regionalem Bezug. Die Kamera fängt nicht nur die Arbeitsschritte ein, sondern auch die Leidenschaft der Familie Wagner, die dieses Kulturerbe lebendig hält.

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Blaudruck: UNESCO Immaterielles Kulturerbe

Am 28. November 2018 wurde eine jahrhundertealte Handwerkstradition aus Österreich und Mitteleuropa mit einer besonderen Ehre bedacht: Der Blaudruck wurde in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen. Damit erhält eine fast vergessene Kunstform neue internationale Aufmerksamkeit – und hoffentlich auch neuen Schwung.

Was ist Blaudruck eigentlich?

Blaudruck ist eine traditionelle Textilfärbetechnik, bei der Stoffe – meist aus Naturmaterialien wie Baumwolle oder Leinen – mit Hilfe von handgeschnitzten Holzmodeln und einer speziellen Reservierungspaste bedruckt und anschließend in Indigo gefärbt werden. Die Muster, die dabei entstehen, sind oft regional inspiriert und reichen von floralen Motiven bis zu geometrischen Ornamenten. Die Holzmodeln selbst sind kleine Kunstwerke und können bis zu 250 Jahre alt sein.

Ein gemeinsames Kulturerbe Europas

Die Aufnahme des Blaudrucks in die UNESCO-Liste war ein länderübergreifender Erfolg: Österreich reichte die Bewerbung gemeinsam mit Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Ungarn ein. In all diesen Ländern gibt es noch aktive Blaudruck-Werkstätten – meist kleine Familienbetriebe, die das Wissen über Generationen weitergeben. In Österreich sind es nur noch zwei: Original Blaudruck Koó im Burgenland und die Blaudruckerei Wagner in Oberösterreich.

Warum ist Blaudruck heute so wichtig?

In einer Welt, die von Massenproduktion und Fast Fashion geprägt ist, steht der Blaudruck für Entschleunigung, Handarbeit und kulturelle Identität. Die UNESCO-Würdigung macht auf das drohende Verschwinden dieser Technik aufmerksam und setzt ein Zeichen für die Erhaltung von Handwerkskunst. Bundesminister Gernot Blümel brachte es treffend auf den Punkt: „Ein starkes Zeichen, dass Österreichs kulturelles Erbe vielfältig und zeitlos ist.“

Österreichs Platz im globalen Kulturerbe

Mit dem Blaudruck sind nun vier österreichische Traditionen auf der Repräsentativen Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit vertreten:

  • 🐦 Die Falknerei (2012)
  • 🎭 Der Imster Schemenlauf (2012)
  • 🐎 Die Klassische Reitkunst der Spanischen Hofreitschule (2015)
  • 💙 Der Blaudruck (2018)

Sie stehen neben weltbekannten Traditionen wie dem spanischen Flamenco, der Peking-Oper oder dem argentinischen Tango – ein Beweis für die kulturelle Vielfalt und Tiefe Österreichs.

Hoffnung für die Zukunft

Sabine Haag, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, betont: „Der Handblaudruck ist zunehmend vom Verschwinden bedroht. Wir hoffen, dass die internationale Würdigung dieser Tradition zu neuen Impulsen und Aufmerksamkeit verhilft.“ Die Aufnahme in die UNESCO-Liste ist nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch ein Appell: Erhaltet das Wissen, fördert die Werkstätten, und lasst die blauen Muster weiterleben.

Wenn du Lust hast, Blaudruck einmal selbst zu erleben, lohnt sich ein Besuch bei den letzten aktiven Werkstätten – oder bei einem der UNESCO-ausgezeichneten Handwerkszentren wie dem Textile Zentrum Haslach. Denn Kulturerbe lebt nur weiter, wenn wir es sehen, fühlen und wertschätzen.